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Goa – auf den Spuren der Hippies

Goa – auf den Spuren der Hippies

Wie sehr haben wir uns schon vor unserer Reise ausgemalt, wie wundervoll, entspannt und mystisch die Strände Goa‘s wohl sein werden. Nach drei Wochen in Indien war es dann endlich so weit! Mit dem Nachtzug ging es von Calicut nach Palolem, einem kleinen Ort im Süden Goas. Die Fahrt war ziemlich entspannt und alles andere als stressig, die Nachtzüge in Indien in der 2AC oder 3AC Klasse sind wirklich super und definitiv zu empfehlen. Viele Reisende berichteten davon, dass der Süden etwas entspannter und nicht so überfüllt sein soll wie der Norden, also entschieden wir uns, unser Zelt erst einmal in Palolem aufzuschlagen. Da wir mal wieder am Ende der Saison waren, wartete an dem kleinen, verschlafenen Bahnhof genau eine Motor-Rikscha, wie für uns bestellt. Der nette Herr dachte wohl wir schlafen noch und hatte gleich erstmal probiert uns einen viel zu hohen Fahrpreis abzukassieren. Nach kurzen Verhandlungen trafen wir uns, wie immer eigentlich, irgendwo in der Mitte und er brachte uns wie versprochen direkt zu unserer Unterkunft. Das „Bay Leaf Resort“ hat kleine, einfache und günstige Hütten direkt am Strand. Wir fühlten uns auf Anhieb super wohl. Der Strand zieht sich entlang der ganzen Bucht, ist sauber und hat viele kleine Restaurants und Cafés, die sich im Sand angesiedelt haben. Zudem weht meist eine leichte Brise, die die Temperaturen um die 35°C etwas erträglicher machte. In der Hauptsaison ist der Strand voll mit Menschen und wahrscheinlich etwas anstrengender aber der große Ansturm endet im April und dann kehrt etwas mehr Ruhe ein. Eigentlich hatten wir überlegt nur 2-3 Tage hier zu bleiben, aber nach einer ersten Entdeckungstour wussten wir, dass wir wohl mal wieder länger bleiben werden als gedacht – am Ende wurden es sechs Tage. Wenn man sich wohl fühlt, dann fällt es immer ein wenig schwer einen Ort wieder zu verlassen. Unsere Tage verbrachten wir damit am Strand zu liegen, mit dem Roller umherzufahren und umliegende Strände zu besuchen, im Wasser und den Wellen rum zu spielen und vor allem zu entspannen. Auch die benachbarten Strände, der Patnem Beach und der Agonda Beach, sind super schön und ähneln dem Strand in Palolem. Der einzige für uns ersichtliche Unterschied war, das der Strand in Palolem etwas belebter ist und auch abends noch etwas leben am Strand ist. In Kerala hatten wir relativ wenig Alkohol getrunken, da die Preise aufgrund von Steuern ziemlich hoch waren. Diese Steuer gibt es in Goa allerdings nicht, was sich positiv auf den Alkoholkonsum als auch den Geldbeutel auswirkt :D. Ein Bier in einer der Strandbars bekommt man für ungefähr 1€. Wenn man das Bier direkt im Alkoholshop in der Stadt kauft, bezahlt man sogar nur die Hälfte. Der günstige Alkohol ist wohl einer der Gründe, warum die Strände Goas vor allem für Ihre Goa-Elektropartys bekannt sind. Davon merkten wir leider nichts. Seit den 2000er ist die Musik nach 23 Uhr mit Hilfe von Verstärkern von den Stränden verbannt worden. Es gibt eigentlich nur noch zwei Bars/Clubs die eine Genehmigung haben (in Anjuna – Nord-Goa) und wo noch „richtige“ Goa-Partys stattfinden. Natürlich gibt es immer Mittel und Wege illegale Partys zu veranstalten, man muss halt nur die richtigen Leute kennen und schmieren. Leider kamen wir in Palolem nicht in den Genuss einer ordentlichen Goa-Party. Nach 6 schönen Tagen ging es mit dem Taxi weiter Richtung Norden nach Arambol in der Hoffnung das wahre Hippie-Leben kennenzulernen. Für die etwas teure Taxi-Variante hatten wir uns entschieden, weil wir auch ein wenig von Goa abseits der Stände kennenlernen wollten. Quasi ein Ostergeschenk an uns selbst :). Old Goa, Kultur und Geschichte standen auf dem Programm! Der kleine Ausflug hatte sich durchaus gelohnt und wir konnten einiges über die Kolonial-Zeit und Architektur in Goa erfahren.

Nach insgesamt sechs Stunden (reine Fahrt ca. 2h) sind wir dann in Arambol in Nord-Goa angekommen. Laut Reiseführer ein schöner und etwas belebterer Strandort, für uns allerdings eher ein überfüllter Touristenort mit überteuerten Preisen und jeder Menge Müll am Strand. Vor allem indische Junggesellenabschiede und russische Pauschaltouristen bevölkern diesen Ort, die Atmosphäre ist entsprechend unentspannt und alles andere als „der letzte richtige Hippie-Ort in Goa“. Eigentlich wollten wir hier 5-6 Tage bleiben. Zum Glück hatten wir vorab nur zwei Nächte gebucht und so konnten wir anschließend an einen sehr viel entspannteren Strand südlich von Goa – Ashwem Beach – umziehen. Hier hatten wir wieder einen kleinen Bungalow, entspannte Atmosphäre und einen sauberen Strand fast für uns alleine. Ab und an gab es ein paar Wellen, die sich surfen ließen und auch günstiges, eiskaltes Bier. Es hätte also der perfekte Abschluss für unseren Aufenthalt in Goa sein können, wenn da nicht noch dieser kleine blöde Zwischenfall gewesen wäre… Bisher haben wir noch nie schlechte Erfahrungen mit Dieben oder sonstigen Tunichtguten auf Reisen gemacht und sind relativ unbefangen z.B. mit offenen Fenstern in der Nacht umgegangen. Das ist nun leider erstmal vorbei, denn in der zweiten Nacht in Ashwem sind wir mitten in der Nacht wach geworden, weil jemand gerade ersucht hatte in unser Fenster hineinzugreifen und nach unseren Sachen zu langen. Wir haben beide sehr schnell reagiert, sind aufgesprungen und haben ganz schön laut herum geschrien, sodass der werte Einbrecher sofort das Weite suchte. Dieses kleine Schlitzohr war außerdem so schlau gewesen, uns den Strom vom Bungalow abzuschalten (der Hauptschalter war draußen vor der Tür), sodass wir im Eifer des Gefechts überhaupt kein Licht hatten und nicht mehr wussten wo oben und unten ist. Nach ein paar Schrecksekunden hatten wir uns aber wieder gefangen und den Schalter draußen umgelegt und konnten so erleichtert feststellen, dass zum Glück nichts fehlte und außer dem großem Schreck nichts passiert war. So viele Länder haben wir mittlerweile bereist, aber überfallen oder ausgeraubt wurden wir noch nie. Vielleicht ist das auch der Grund, warum wir keine großen Goa-Fans geworden sind. Der Süden ist durchaus empfehlenswert und schön, aber der Norden hat uns nicht wirklich gefallen. Wahrscheinlich lag es auch an dem Publikum, das hier an den Stränden Goas abhängt. Wir kamen mit der Idee ein kleines Hippie-Paradies zu finden mussten aber leider enttäuscht feststellen, dass diese Zeit wohl endgültig vorbei sind. Vielleicht haben wir aber auch nicht richtig gesucht, wer weiß das schon so genau. Auf geht’s nach Mumbai – das Tor nach Indien!

Anni

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