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Mit dem Campervan durch Neuseeland – der Norden

Mit dem Campervan durch Neuseeland – der Norden

Nach fünf arbeitsreichen Monaten in Australien haben wir es doch tatsächlich geschafft, uns vom Kloputzen und Bettenmachen loszureißen, um neue Welten zu entdecken. Australien zu verlassen fiel uns nicht wirklich schwer, auch wenn wir den einen oder anderen gewonnen Freund sehr vermissen werden. Nachdem wir unseren lieben vierrädigen Weggefährten ‘Päng’ auf dem letzten Drücker an seine neuen Backpacker-Eltern übergeben hatten, stand uns eigentlich nichts mehr im Wege. Die Flüge nach ‘Auckland’, der größten Stadt Neuseelands, waren gebucht und die Winterklamotten ebenfalls wie durch Zauberhand in unseren geliebten Rucksäcken verstaut. Moment mal, WINTERKLAMOTTEN? Ja, tatsächlich hatten wir uns dazu entschieden, in den Winter zu reisen und vier Wochen lang mit dem Wohnwagen/Campervan das Land zu erkunden. Nachdem uns zwei Freunde am Flughafen in ‘Perth’ abgesetzt hatten, bestiegen wir gegen Mitternacht ganz euphorisch das Flugzeug. Der erste Flug ging nach ‘Sydney’, wo wir lediglich etwas mehr als eine Stunde Zeit hatten um in den Anschlussflieger nach ‚Auckland’ zu steigen. Ein Unterfangen, dass schon bei pünktlicher Landung ziemlich schwierig gewesen wäre. Da wir aber den Nervenkitzel lieben, hatte unser Flug natürlich auch noch 15 Minuten Verspätung. Also rannten wir nach der Ankunft völlig verschlafen zur Gepäckausgabe, schulterten unsere Rucksäcke um danach gleich wieder zum Sprint anzusetzen, denn zu unserer Überraschung mussten wir auch noch das Terminal wechseln. Also rein in den Zug, die wohl längsten 5 Zugminuten unseres Lebens, raus aus dem Zug und weiter zum Emirates Schalter gerannt. Zu unserem Erstaunen war der Schalter sogar noch besetzt. Wir hatten doch tatsächlich noch 6 Minuten Zeit. Erleichtert und völlig erschöpft legten wir unser Gepäck auf das Band, bereit unsere Boardingpässe entgegenzunehmen. Doch leider war es noch nicht an der Zeit für ein Happyend. Die Frage: ‚Dürfte ich eure Flugtickets zur Ausreise aus Neuseeland bitte sehen?’ traf uns wie ein Schlag. Bei all der Vorfreude auf das neue Abenteuer war uns wohl entgangen, dass man nur ein Touristenvisum für Neuseeland erhält, wenn man ein gültiges Rückflugticket besitzt. Die Zeit rannte uns davon und ehe wir uns versahen, hatten wir innerhalb von drei Minuten Flüge nach Fidschi gebucht. Was anfangs noch eine Wunschvorstellung war, wurde um 4 Uhr morgens Wirklichkeit. Unser nächstes Ziel ist also Fidschi, aber das steht auf einem anderen Blatt Papier. Nach kurzer Diskussion mit dem eher nicht so netten Herrn am Flugschalter hatten wir es dann endlich geschafft und konnten den Flug im A380 genießen. Leider empfing uns ‚Auckland’ nicht wie gehofft mit Pauken und Trompeten, sondern mit zwei Tagen Dauerregen bei ca. 8°C. Doch das konnte unser guten Laune nichts anhaben, denn vor uns lagen vier aufregende Woche im Wohnmobil mit allem was das Camperherz begehrt.

Unsere Reise führte uns zuerst ins Nordland. Kaum aus Auckland raus, kamen wir aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Das ist also dieses Neuseeland, Land der Hobbits, in dem Mutter Natur ganze Arbeit geleistet hat. Die erste Station war die ‚Bay of Islands’, wo die Geschichte des Landes begann und wir eine uns unbekannte Leidenschaft entdeckten, das Wandern. Da Neuseeland nur so von Bergen (und vorallem auch Schafen) überzogen ist, passte das ganz gut. Wir merkten schnell, dass wir uns hier sehr wohlfühlen werden, denn wer sich hier langweilt ist selber schuld. Von Wandern, Skifahren über Skydiving, Surfen bis hin zu Baden in heißen Quellen kann man hier wirklich alles machen. Und so dauerte es nur zwei Tage bis wir die ersten heißen Schwelfelquellen ansteuerten. Da das Land zum pazifischen Feuerring gehört, wimmelt es hier nur so vor Vulkanen und unterirdischen Magmaflüssen, die das Grundwasser erhitzen und überall herrliche natürliche Thermalpools entstehen lassen. Balsam für die geschundene Reiseseele, vorallem wenn die Außentemperatur bei 2°C liegt und man keine Heizung im Camper hat. Der einzige kleine Nachteil ist, dass dank des Schwefels alles die nächsten Tage im Auto nach faulen Eiern richt, egal wie lange man auch lüftet 😀

Eine weitere tolle Eigenschaft des Landes ist, dass es unglaublich viele kostenlose Campingplätze gibt, die Selbstversorgerfahrzeuge zur Übernachtung nutzen dürfen. So landeten wir am dritten Tag an einem der wohl schönsten Campingplatz unserer Reise. Der ‚Spirits Bay’ am ‚Cape Reinga’ ist einfach atemberaubend und auch wenn die steile und unbefestigte Schotterstraße dorthin eher eine Qual war (verglichen mit noch kommenden Straßen übrigens absolut harmlos), hat es sich doch mehr als gelohnt. Und plötzlich war es wieder da, das Gefühl von Freiheit, welches wir in den letzten Monaten so schmerzlich vermisst hatten. Vom nördlichsten Punkt des Landes fuhren wir wieder Richtung Süden mit kurzem Zwischenstopp an den riesigen Sanddünen um Sandboarden auszuprobieren. Am nächsten morgen ging es dann früh zum kurzen Wanderausflug raus um die berühmte ‚Cathedral Cove’ im Sonnenaufgang zu sehen und anschließend dem ‚Hot Water Beach’ einen Besuch abzustatten. Das Besondere an diesem Strand ist, dass man sich bei Ebbe hier seinen eigenen kleinen heißen Thermalpool bauen kann. Das Wasser, dass durch den Sandboden dringt ist teilweise kochend heiß und nur mit einer Mischung aus kalten Meerwasser zu ertragen. Apropos kalt, natürlich habe ich es mir nicht nehmen lassen, mich im dicken Neoprene-Anzug in die Wellen zu stürzen und meine ersten Wintersurferfahrungen zu sammeln. Trotz des Sonnenscheins, lag die Wassertemperatur trotzdem nur um die 15°C, sodass es mein einziger Surfversuch in Neuseeland blieb. Als Nächstes stand ein weiteres Highlight auf dem Plan: eine Tour nach Mittelerde. Wer ‚Herr der Ringe’ einmal gesehen hat, der kennt mit Sicherheit das ‚Auenland’. Dies ist keinesfalls ein erfundener Ort, sonder befindet sich im Herzen der Nordinsel und wird liebevoll ‚Hobbiton’ genannt. Da Anni keine Ahnung von guten Filmen hat, musste ich ihr erstmal alles erklären, bevor wir uns das Filmset anschauen konnten. Anschließend führte uns die Reise zum Thermal-Wonderland ‚Wai-O-Tapo’, wo wir wiedereinmal Zeuge der Urgewalten werden durfen. Dieser surreale Park befindet sich auf einem sehr aktiven vulkanischen Gebiet und bietet das ganze Spektrum vulkanischer Ausdünstungen. Hier gibt es Geysire, blubbernde Schlammwüsten und kochendheiße, farbenfrohen Pools zu bestaunen. Das eigentlich Highlight befindet sich jedoch nur wenige Kilometer vom Park entfernt und ist sogar kostenlos. Der Hotwater-Fluss ist ein absolutes Phänomen und gehört mit zu den Highlights unserer Reise. Unter einer kleinen Brücke treffen sich zwei Flüße, eigentlich eher unspektakulär. Das Besondere hier jedoch ist, dass einer der Flüsse heißes Thermalwasser trägt und der Andere kalt ist. Hat man einmal seinen warmen Platz im Wasser gefunden, ist es der perfekte Ort um mit den einheimischen Kiwis ein Bier zu trinken, die Sterne zu beobachten und das Reiseleben zu genießen. Auch wenn wir hier gern ewig geblieben wären, musste die Reise weitergehen, denn unser nächstes Ziel, der ‚Tongariro Nationalpark’, wartete schon. Dieser Nationalpark hat eine der wohl bekanntesten Wanderstrecken des Landes, welche wir auch gern angehen wollten. 19,4km durch Alpingebiet wandern, mit Vulkanbesteigung und allem pipapo. Leider war das Wetter an diesem Tag und in der Nacht zuvor nicht auf unserer Seite, aber wir wollten es trotzdem probieren. Natürlich war das eine völlig sinnbefreite Idee, denn mit dem Wetter in den Bergen ist nunmal nicht zu spaßen, vorallem nicht, wenn du so unvorbereitet bist wie wir es waren. Lange Rede kurzer Sinn, nach nur 2km waren unsere “Möchtegern-Wanderschuhe” völlig durchnässt und ein kleiner Schnee-/Regensturm zog auf, sodass wir umkehren mussten und zurück zum Auto schlitterten. Der Wille war da, aber manchmal braucht es eben ein bisschen mehr. Zum Glück warteten noch mehr Wandertouren auf uns, die auch mit unserer nicht vorhanden Ausrüstung machbar waren.

Unsere letzte Station auf der Nordinsel war dann Wellington. Leider hatten wir nur einen Tag in dieser tollen Stadt, da am nächsten Morgen schon die Fähre zur Südinsel auf uns wartete. Also probierten wir so viel wie möglich aus dem Tag zu machen und fanden uns nach 4 Stunden immer noch im Nationalmuseum wieder. Für mich das beste Museum, das ich jemals gesehen habe und das ganze auch noch kostenlos. Und so verließen wir die wunderschöne Nordinsel nach ca. 2000km und 11 Tagen, um uns in neue Abenteuer auf der Südinsel zu stürzen.

celle

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