Im Hochland von Sri Lanka – mit dem Zug von Haputale nach Kandy

Im Hochland von Sri Lanka – mit dem Zug von Haputale nach Kandy

Schon bevor wir an die Ostküste gefahren waren, stand für uns fest, dass wir unbedingt noch weitere Wanderungen im Hochland unternehmen wollen, um uns nochmal ein wenig kühlere Bergluft um die Nase wehen zulassen. Rund um Ella und Nuwara Elijah gibt es relativ viele Möglichkeiten zu wandern, da wir aber Gefallen an den etwas untouristischeren Regionen gefunden hatten, ist unsere Entscheidung auf das unbekanntere Haputale gefallen. Es liegt ca. 1h mit dem Zug von Ella Richtung Kandy (bzw. 30min mit dem Bus) entfernt. Da es auf einem Bergkamm liegt, kann das Wetter – wie wir schnell festgestellt mussten – innerhalb weniger Minuten komplett umschlagen und aus Sonnenschein wird Wolkenbruch. Zum ersten Mal auf unserer Reise waren wir froh, dass wir doch etwas winterliche Kleidung im Gepäck mit uns herum tragen. Denn v.a. abends können sich, auf Grund des starken Windes, die Temperaturen auf um die 12-14 Grad (klingt erst mal nicht so kalt, aber bei vorher 32 Grad fühlt es sich fast arktisch an) abkühlen. Unser Lager hatten wir in der hübsch gelegenen Unterkunft BelView Guesthouse aufgeschlagen, betrieben von einer sehr netten und hilfsbereiten Familie. Man hat sich direkt willkommen gefühlt, mit ein paar anderen verirrten Touristen haben wir ein super leckeres Abendbrot direkt im Wohnzimmer der Familie bekommen, inklusive Tipps und Hilfe für die Wanderung zum Lipton Seat. Obendrein gab noch einen grandiosen Ausblick über die umliegenden Nationalparks. Da das Wetter ist in dieser Ecke des Landes wie schon erwähnt recht unbeständig ist, kann man nicht vorhersehen, ob der am Vortag geplante Aufstieg zum Lipton Seat sich auch wirklich zum Sonnenaufgang lohnt. Natürlich wollten wir es trotzdem versuchen, aber leider hatten wir dieses Mal kein Glück, denn es war ziemlich nebelig und die tolle Landschaft total verhangen. Das frühe Aufstehen um 4:30 Uhr morgens hat sich aber trotzdem gelohnt, man konnte die Umgebung zwar nur erahnen, aber auf dem Weg nach unten sind wir mehr und mehr aus den Wolken heraus gekommen und hatten einen atemberaubenden Blick auf die umliegenden Teeplantagen, Berge und den Nationalpark Uda Walawe. Zudem beginnen die tamilischen Teepflücker bereits früh am morgen mit der Ernte der grünen Teeblätter, was der ganzen Landschaft noch einmal einen besonderen Charme verleiht. Auf dem 8km langen Weg nach unten möchte man seine Kamera am liebsten gar nicht aus der Hand legen. Bevor wir wieder in den Bus stiegen haben wir noch eine kleine Führung durch die Teefabrik gemacht, die 1890 von Sir Thomas Lipton erbaut wurde. Einige der Maschinen sind sogar noch aus diesem Jahrhundert. Ziemlich beeindruckend, wenn man bedenkt, dass in der Hauptsaison jeden Tag 30 Tonnen Grüner Tee in der Fabrik produziert werden. Ein weiteres unterhaltsames Abendbrot mit der Familie und anderen Reisenden in Haputale später, stand auch schon eins unserer absoluten Highlights für Sri Lanka auf dem Plan – mit dem Zug durch das Hochland von Haputale nach Kandy. Die Strecke ist eigentlich nur 150km lang, aber da die Züge hier nur im Schneckentempo vorwärts kommen, braucht man für die Fahrt 5,5h. Mit dem reservierten Ticket in der dritten Klasse (für erschwingliche 4€ inklusive festem Sitzplatz für zwei Personen) wollten wir auf Nummer sicher gehen, nicht die komplette Zeit stehen zu müssen. Es war eine gute Investition, denn vorab hatten wir von anderen Reisenden immer wieder Geschichten gehört, dass die Züge so voll sind, dass man nicht mal aus dem Fenster schauen kann. Bei uns war das aber glücklicherweise nicht der Fall. Schon ab der ersten Minute ist die Landschaft faszinierend und einfach nur wunderschön. Da die Zugtüren während der Fahrt die ganze Zeit offen sind, kann man sich jederzeit in die frische Luft hängen und den Ausblick in vollen Zügen genießen. Definitiv eines unser absoluten Highlights und wir können es nur jedem der Sri Lanka bereist ans Herz legen sich in den Zug zu setzen um es mit eigenen Augen zu sehen.

Am frühen Nachmittag sind wir dann auch schon in Kandy angekommen und hier stand einiges an Kultur auf dem Plan. Kaum in der Unterkunft angekommen, hatte uns leider das schlechte Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht, denn der Regen kam in Sturzbächen vom Himmel. Daher mussten wir erst mal eine kleine Pause einlegen (worüber sich der Kulturmuffel Anni etwas gefreut hat), um dann am späten Nachmittag, bei leichten Nieselregen, endlich unsere Entdeckungstour starten zu können. Nachdem wir den Zahntempel Sri Dalada Maligawa (gemäß der Überlieferung soll hier der linke Eckzahn des Buddha Siddhartha Gautama als Reliquie aufbewahrt werden) besucht hatten, ging es weiter zum „Kandydance“, einer Show die den Touristen die traditionellen Tänze Sri Lankas näher bringen soll. An sich war die einstündige Vorstellung ganz lustig, aber irgendwie auch eine ziemliche Touristenfalle. Für den Tempelbesuch musste sich Celle übrigens noch in Schale werfen, denn wer seine Knie nicht bedeckt kommt nicht rein oder muss erfinderisch sein. So wurde Anni’s Strandtuch kurz als Rock zweckentfremdet. Und so endete unser letzter Tag im Hochland mit Nieselregen und einer Pizza bei Domios :D. Nächstes Ziel: Kitesurfen in Kalpitiya!

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